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Der österreichische Musikmarkt hat 2025 höhere Umsätze erzielt als je zuvor. 270,4 Millionen Euro, das neunte Wachstumsjahr in Folge, berichten die Branchenexperten von IFPI Austria in ihrem Marktbericht vom Februar 2026. Der größte Anteil davon geht aus Musik-Streaming.
Hinter dieser Wachstumskurve steht eine zweite Realität. Wie sich das Geld aus dem Musik-Streaming in Österreich tatsächlich auf die einzelnen Künstler verteilt, hat mit den Rekordzahlen wenig zu tun.
Abos von Plattformen wie Spotify, Apple Music oder Deezer stehen inzwischen für 87, 1 Prozent des gesamten Umsatzes. Musik wird kaum noch gekauft, sie wird gemietet. Wer ein Abo bezahlt, erwirbt Zugang zu einem Katalog, nicht den einzelnen Song. Das verändert, wie Geld überhaupt entsteht und wohin es fließt.
Eine Kehrseite wird dabei selten mitgenannt. Streaming macht heimische Künstler weltweit erreichbar, ein Grazer Act steht im selben Katalog wie ein Weltstar. Reichweite und Einkommen sind aber zwei verschiedene Dinge. Sichtbar zu sein heißt noch lange nicht, davon leben zu können.
Der physische Tonträger ist zur Nische geschrumpft. Bemerkenswert bleibt dort nur eine Verschiebung, die Vinyl-Schallplatte hat erstmals seit einem Vierteljahrhundert die CD überholt, während ihr eigener Boom an Schwung verliert. Auch das, was über die heimischen Charts läuft, ist heute fast vollständig ein Streaming-Geschäft. Was für die Branche nach einer komfortablen Lage aussieht, ist für viele Musiker das Gegenteil.
Spotify selbst macht kein Geheimnis daraus, dass es keine fixen Tantiemen pro Stream gibt. Etwa zwei Drittel seines Umsatzes aus dem Streaming zahlt der US-Dienst den Inhabern von Musikrechten, also Labels, Vertriebe und Verlage, aus. Erst dann, abhängig vom Vertrag, wird den Musikern ein Teil überwiesen. Ein Independant-Act, der seine Musik selbst vermarktet, bekommt dabei mehr pro Abruf als ein Newcomer, der an einen Vertrag mit einem hohen Vorschuss gebunden ist.
Der Radiosender FM4 nennt in seinen Berechnungen einen Orientierungswert von 0,0033 Euro pro Stream. Eine Million Abrufe ergeben damit etwa 3.300 Euro brutto, von denen Label-, Vertriebs- und Managementanteile noch abgehen. Eine Million Streams wirken nach viel, gemessen an dem, was am Ende ankommt, sind sie es nicht.
Wie viel ein einzelner Act konkret erhält, lässt sich von außen kaum beziffern. Die Verträge sind nicht öffentlich. Die Verwertungsgesellschaft LSG schüttet jedes Jahr Millionen an tausende Labels und Künstler aus, doch wie sich diese Summe im Einzelfall verteilt, bleibt intransparent. Ein erheblicher Teil dessen, was die LSG verteilt, stammt aus der Sendevergütung, also daraus, dass Radiostationen einzelne Titel spielen. Für viele heimische Acts ist Airplay damit nach wie vor eine spürbarere Einnahmequelle als der einzelne Stream. Gerade für Künstler mit überschaubaren monatlichen Hörerzahlen bleibt der Stream als Einnahme zweitrangig, für die Sichtbarkeit aber zählt er trotzdem.
Viele Musiker konzentrieren ihre Einnahmen daher verstärkt auf den Live-Bereich. Konzerte und Festivals wie Frequency gleichen vielfach das aus, was im Vertrieb fehlt. Günstig ist das allerdings nicht. Logistik, Technik und Tourpersonal werden immer teurer, die Vorfinanzierung einer Tour bleibt ein Risiko, das die Musiker selbst tragen.
Digitale Märkte verschieben Wert zunehmend weg vom einzelnen Produkt hin zur Frage, wie sichtbar etwas überhaupt wird. Im Streaming zeigt sich das in Playlists, Algorithmus-Empfehlungen und Plattformlogiken, die entscheiden, welche Titel überhaupt in den Umlauf geraten. Ähnlich funktioniert es in anderen Plattformökonomien, in denen Inhalte nicht gleichwertig nebeneinanderstehen, sondern in vorselektierten Umgebungen auftauchen.
Im Online-Gaming-Bereich, insbesondere bei digitalen Casino-Plattformen, ist diese Vorstrukturierung ebenfalls zentral. Spiele werden nicht einfach in endlosen Listen präsentiert, sondern häufig in kuratierten Bereichen gebündelt, um eine echte Expertenauswahl an Slots zu präsentieren bei der Inhalte nach Kriterien wie Spielverhalten, Performance oder Anbieterqualität gefiltert und priorisiert werden. Die eigentliche Sichtbarkeit entsteht damit weniger durch Zufall, sondern durch eine vorgelagerte Auswahlinstanz, die darüber entscheidet, welche Inhalte überhaupt in den Fokus der Nutzer rücken.
Hier setzt die Politik an. Die österreichische Regierung plant eine Abgabe von fünf Prozent auf die großen Streaming-Plattformen. Das geschätzte Aufkommen von rund 7,6 Millionen Euro soll über das Kulturministerium zweckgebunden in die Musikförderung fließen. Frankreich hebt seit 2024 eine vergleichbare, niedriger angesetzte Abgabe ein und finanziert damit seine nationale Musikförderung.
Die IFPI Austria hält dagegen. Geschäftsführer Franz Medwenitsch lehnt neue Steuern ab und verlangt stattdessen faire Marktbedingungen ohne Quoten. Die Plattformen warnen vor sinkenden Investitionen. Gegen dieses Argument steht der Einwand, dass dieselben Anbieter ihre Abo-Preise ohnehin regelmäßig anheben. Kritiker verweisen zudem darauf, dass die großen Plattformen in Österreich selbst kaum in lokale Produktionen investierten, während die Abgabe genau hier ansetzen will. Offen ist auch, wer die Abgabe einhebt und nach welchem Schlüssel das Geld später bei den Musikern ankommt. Wie der Konflikt ausgeht, ist nicht entschieden.
Schon jetzt zeichnet sich die nächste Auseinandersetzung ab. IFPI-Geschäftsführer Thomas Auböck bezeichnet KI-Musik als die nächste Stufe nach dem Streaming. Wer Musik zum Training von KI-Systemen nutze, brauche eine Lizenz und müsse dafür zahlen, so seine Position. Welche Vergütung dabei angemessen wäre und wie sich Trainingsdaten überhaupt nachweisen lassen, ist rechtlich offen. Medwenitsch warnt, wer in dieser Debatte das Urheberrecht übergehe, überlasse europäische Kultur den Interessen globaler Technologiekonzerne.