75 Jahre Theater im Keller
Das TiK positioniert sich auch zum 75. Geburtstag, am 21. September 2026 war es soweit, als Autor:innentheater, das in enger Zusammenarbeit mit Schreibenden Stücke erstellt und realisiert.
Und weil es ein Jubiläum ist, wollen wir nicht bloß das Stück aus der Feder eines oder einer Einzigen bringen, sondern ein neues Werk, das von gleich drei Autor:innen in Kette verfasst wurde. Günter Eichberger hat ein Treatment verfasst und die ersten Seiten entworfen, auf denen Cordula Simon mit ihren eigenen Ideen zur Weiterführung aufgesetzt hat. Die Abrundung auf einen Schluss hin, hat schließlich Mike Markart vollzogen. Ausgangspunkt war dabei ein Ansatz unter der Überschrift „Shakespeare in Graz“, weswegen das fiktive oder gar nicht so fiktive Graz nun so wie Böhmen bei Shakespeare an den Ufern eines Murmeeres liegt.
Ein Bürgermeister, genannt Potentäter, steht vor einem entscheidenden Wahlkampf. Er versucht, allen Menschen nach dem Mund zu reden, vereint die widersprüchlichsten Meinungen in sich. Oppositionelle Politiker hat er wegen Korruptionsvorwürfen ins Gefängnis gebracht. Mit Ausnahme eines Konkurrenten, der in den Meinungsumfragen vor ihm liegt. Mit ihm hat seine Frau ein Verhältnis. Wovon er nichts weiß.
Nun bringt ihn seine Lady Macbeth auf die Idee, seine Wahlkampfstrategie grundlegend zu ändern, einen rabiaten Rechtspopulisten darzustellen, was seinen Ansichten im Grunde ohnehin entspricht. Damit soll er seinen Konkurrenten überflügeln.
An diesem Punkt springt ein Autor ein und das Stück nimmt unter seiner Leitung eine neue Wendung.
Wie sich die Handlung in der Arbeit der drei Autor:innen weiterentwickelt? Erkennt man den Shakespeare-Bezug, bleibt es eine Polit-Satire. Vielleicht wird, anders als bei Shakespeare, die Lady an die Macht gehievt und ihr Gatte verfällt dem Wahnsinn – oder alles endet überhaupt ganz anders.
Das Ergebnis zeigt das Theater im Keller mit einer festlichen Premiere zu seinem Geburtstag ab dem 16. Oktober in seinen alten, aber heiligen Hallen.
Das TiK feiert Geburtstag:
Schon 1945 wurden von Ingobert Wampera die "Grazer Laienspiele" ins Leben gerufen, die 1946 ein erstes österreichweites Spielgruppentreffen in Graz veranstalteten. Aus diesen Bemühungen erwuchs mit dem Datum 21. September 1951 die Gruppe "Die Spielvögel" als Mustertheater für diesen Bereich. Der Untertitel des Vereines, der schon längst "Theater im Keller (Die Spielvögel)" heißt, der 50er-Jahre Name wir heute schamhaft verschwiegen, war damals "Kleine Probenkammer der steirischen Jugend" und stellte sich der Ausbildung des Spiels selbsternannter Spielender (Wampera und Mitgründer Kopp waren allerdings gelernte Schauspieler).
Daraus gingen immer wieder spätere Bühnengrößen hervor, etwa Gründungsmitglied Hannskarl Hollmann, der spätere große Musiktheaterregisseur, Franz Morak, Wolfram Berger, Gudrun Gröbelbauer, der Mann, der John Lennon und Yoko Ono nach Wien brachte, Kuno Knöbl nämlich, der damalige Unterhaltungschef beim ORF, aber auch Helmut Perscha, Sprecher und Sprecherzieher beim ORF Steiermark, Erhart Koren, Michael Arnold, der Pantomime Walter Samuel Bartussek, und in jüngerer Zeit z.B. eine Teilnehmerin unserer ersten "Kellerkinder"-Nachwuchstruppe 2005/06 Michaela Klamminger: bekannt auch aus Film und Fernsehen, kam sie über das Nationaltheater Mannheim 2019 ans Theater in der Josefstadt usw.
1984 kam als Historisches Jahrbuch der Stadt Graz, Band 15, ein Buch über "Theater in Graz" heraus. Neben Oper und Schauspielhaus gab es, wie daraus hervorgeht, damals außer dem Theater im Keller bloß noch das zu dieser Zeit von Heinz Hartwig geleitete Forum Stadtpark Theater (Heinz war später Literaturchef des Landesstudios Steiermark und zu jenem Zeitpunkt noch viele Jahre im Leitungsteam des Theaters im Keller, weswegen das Forum Stadtpark Theater so gut wie eine noch professionellere Außenstelle des TiK war). Zu diesem Zeitpunkt hatte unter dem verdienstvollen, ebenfalls ausgebildeten, Schauspieler Norbert Hainschek die Professionalisierung des TiK begonnen, in deren Zug die freie Grazer Szene erst so richtig erblühte.
Alle Infos aus www.tik-graz.at