Ein Müllspiel der anderen Art: In „Deponia“ versinkt die Spielewelt im Müll – und verspricht dadurch ein Abenteuer, das sich gewaschen hat. Aber kann der Titel sich wirklich über die ungewaschenen Adventure-Massen erheben? Manuel Körmöczy weiß mehr:
Kuvaq, eine kleine Siedlung in den endlosen Müllhalden von Deponia: Hier lebt Rufus, der Protagonist in „Deponia“, dessen Ziel es ist endlich von den Müllbergen zu entkommen. Bei einem erneuten Fluchtversuch von Rufus trifft er auf die wunderschöne Goal – die allerdings im Land der Träume verweilt. Für Rufus wird klar: Um flüchten zu können braucht er die Hilfe von Goal.
Hier übernimmt der Spieler die Stuerung in klassischer Point & Click Adventuremanier des recht launischen – und natürlich meist völlig überforderten - „Helden“ des Spiels. Rufus erhält von seinen Mitbewohnern den Rat nach etwas extravaganten Zutaten für einen Espresso zu suchen – spätestens hier erkennt man, dass der Humor im Spiel sehr häufig zwischen grenzgenial und absoluten Wahnsinn wechselt. Spielerisch präsentiert sich „Deponia“ dabei als Adventure alter Schule, sprich es wird ins Inventar gepackt, was nicht festgeschraubt ist.
Obwohl der Spieler zu Beginn meist recht schnell einen Verdacht hat, was man zur Lösung des nächsten Rätsels benötigt weiß das Gameplay dennoch zu überzeugen und wirkt keineswegs zu einfach. Während es in den letzten Jahren all zu oft Adventures gab, bei denen nie mehr als drei Orte gleichzeitig zugänglich waren, darf und muss der Spieler die völlige Bewegungsfreiheit in Deponia ausnutzen.
Neben den klassischen Gegenstands-Rätseln – okay, und auch weniger klassischen wie: Welchen Köder braucht die Mausefalle, um die Zahnbürste wieder einzufangen? – bietet „Deponia“ auch gelegentlich Minispiele zur Auflockerung.
Zur Steuerung des Spiels wird in guter alter Manier einzig und alleine die Maus benötigt: Ein intelligenter Mauszeiger für die Interaktion, Rechts- statt Linksklick, um sich Dinge anzusehen und eine Hotspot-Anzeige, mit der man etwaig übersehene Interaktionspunkte findet – gewohnte Kost. Einzige Überraschung: Das Inventar wird per Mausrad geöffnet und geschlossen, wer will, kann stattdessen aber auf einen klassischen Tastenaufruf umstellen. Nützlich ist indes, dass man einfach durch Doppelklick auf einen Ausgang den Bildschirm wechseln kann, ohne die Strecke wirklich ablaufen zu müssen.
Die verrückte comichafte Grafik passt stilistisch perfekt zum Spiel. Doch fragt man sich vor allem bei den Zwischensequenzen doch, ob 2012 nicht etwas mehr drin sein müsste. Da sind die Hintergründe mit ihrem Detailgrad schon gelungener, wenngleich die angesichts der Hintergrundwelt ruhig noch zugemüllter sein dürften.
Akustisch kann man nicht klagen: Ein sehr passend-skurriler Intro-Song, eine nicht zu aufdringliche Musik und eine Sprachausgabe, die gerade im Fall von Rufus zwar eine gewisse Trägheit vermittelt, aber genau dadurch perfekt zum eigentlich stinkfaulen Protagonisten passt.
Wie erwähnt passt der Comic-Stil einfach perfekt. Teil des Witzes von „Deponia“ ist, dass sich der Charakter Rufus für witziger hält, als er eigentlich ist. Eine blendende Basis für bissige Kommentare anderer Charaktere! Ebenso wichtig für die Atmosphäre ist, dass man Rufus letztlich trotz – oder wegen? – all seiner Faulheit und Unzuverlässigkeit als Improvisationstalent empfindet. Genau dadurch hat man die richtige Motivation, wirklich erleben zu wollen, wie er sich durch die Unwegbarkeiten der Müllhalden von „Deponia“ zu seinem Ziel schwindelt ...
Der Hintergund ist zwar wortwörtlich Müll, das Spiel „Deponia“ aber das absolute Gegenteil. Die Story von Rufus, dem schrulligen Taugenichts, der für seine Flucht nach Elysium notfalls sogar so was ähnliches wie arbeiten würde ist genial absurd, optisch passend umgesetzt und punktet mit starken Sprechern. Erinnerungen ans goldene Adventure-Zeitalter weckt auch die nach heutigen Maßstäben vergleichsweise große Bewegungsfreiheit. Keine Frage: Daedalic hat nach „Harveys Neue Augen“ den nächsten herrlich abgedrehten Adventure-Spaß am Start.
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